Worringen
Merkenich
11,6 km
3:03 Std.
+60 m / -66 m
22.09.2013
leicht
Anreise mit der S-Bahn Linie 11 bis Worringen Bahnhof.
Rückfahrt mit der KVB-Linie 12 ab Haltestelle Merkenich.

Nach dem man am Ende der dritten Etappe des Kölnpfads am Worringer Bahnhof gestrandet ist, überlegt man es sich mit Sicherheit mehrmals, ob man wirklich unbedingt da noch mal hin möchte. Die vierte Etappe nimmt auf solche Befindlichkeiten keinen Rücksicht und startet genau dort, am Bahnhof. Es ist einer der Orte, bei denen man das Gefühl hat, ganz schnell wieder weg zu wollen. Sogar in die Bahn nach Düsseldorf würde man einsteigen. Und das heisst schon was, zumindest wenn man Kölner ist. Nach ein paar hundert Meter änderte sich nicht nur dieses Gefühl, sondern auch alles andere. Der Worringer Bruch. Ein großes Wow-Erlebnis, welches sich bis zum Ende der vierten Etappe in Merkenich anhalten wird.

Die Beschreibung der 3. Etappe als „naher Niederrhein“ im Buch zum Kölnpfad hatte ich bereits kritisiert. Niederrhein, so meine Meinung, sieht anders aus. Nämlich so, wie auf dieser der 4. Etappe. Die Strecke gehört zwar zu einer der kürzeren auf dem Kölnpfad, hat sich aber bereits eine Top-Position in unseren Herzen erworben. Die Eindrücke unterwegs erinnerten mich sehr stark an meine Kindheit. Ländlichkeit, Felder, Bauernhöfe und viel Walnussbäume unterwegs. Getrocknete zerrieben Blätter katapultierten mich mit ihrem Geruch mit einem Mal 24 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Sobald man nach 600 Metern den Bahnhof hinter sich gelassen hat und einbiegt in den Worringer Bruch, zieht einen das Landschaftsschutzgebiet in den Bann. Rechts und links ist das Betreten verboten — man sollte sich zum Schutz der Natur auch dran halten. Der Wanderer gibt auf das Acht, was er liebt.

Achtgeben sollte man, je nach Witterung, auf sich selber, denn nach einem kurzen Stück auf einem befestigten Untergrund liegen 2 Kilometer Feldweg vor einem. Der Kölnpfad verläuft hier unmittelbar zwischen Ackerland und Worringer Bruch. Sofern der Boden feucht ist, wird der Abschnitt eine matschige Angelegenheit werden.

Nach insgesamt dreieinhalb Kilometern trifft man auf die Neusser Landstraße, welche man zum Glück nur überqueren muss und sie nach 200 Metern wieder verlassen kann. Man biegt hinter einer ehemaligen türkischen Gaststätte ab, die einen sehr trostlosen Eindruck hinterlässt. Ein Stück weit ist man auf der alten Römerstraße mit Gegenverkehr unterwegs, bevor man wieder auf einen Feldweg abbiegen kann. Hier empfiehlt es sich, aufmerksam am linken Straßenrand zu laufen — und auf Autofahrer zu hoffen, die ausreichend Abstand einhalten, wenn sie mit bis zu 70 km/h an einem vorbeirauschen.

Der Feldweg selber führt 600 Meter geradeaus auf den Deich. Hier teilt man sich den Platz lediglich mit Fahrradfahrern und anderen Fußgängern. Die Strecke verläuft entlang des Naturschutzgebiets „Rheinaue“. Impression unterwegs wie weiter stromabwärts in Wesel und Xanten.

An der Autofähre nach Langel, auf die andere Seite des Rheinufers, wird es etwas trubelig. Der Rhein, so nah, ist hier einfach liebenswert. Weiter unterwegs Richtung Rheinkassel stößt man jedoch auf die unangenehme Seite des Rheins. Hier führt die 4. Etappe entlang des Hochwasserschutzgebietes. Teile der Strecke liegen in jenem Bereich, der bewusst für die Überflutung eingeplant ist.

Rheinkassel selber ist einer jener Orte, in den man sich sofort verlieben könnte. Sie sind auf der einen Seite niederrheinisch-ländlich, auf der anderen Seite ist Köln wiederum nur einen Katzensprung entfernt — sofern es eine sehr große Katze ist.

Noch vor der im Buch erwähnten Gaststätte „Kasselberger Gretchen“ und einem Campingplatz, den wohl nur hartgesottene Camper verstehen, kommt man wieder an Feldern vorbei. Hier lohnt es sich, im Spätsommer oder Herbst entlang zu laufen, denn mit etwas Glück findet gerade ein Verkauf von Obst- und Gemüse frisch vom Feld statt. Vom Erzeuger selber gibt es zudem ein paar Meter weiter einen Hofverkauf.

Kurz vor der Leverkusener Brücke geht es auf der Schlettstadter Str. nach Merkenich zur KVB-Haltestelle. Den letzten Kilometer des Weges merkt man kaum, weil man in Gedanken noch bei der hinter einem liegenden Strecke verweilt.